Papier für China

Papier für China

Ein ehrgeiziges Kulturprogramm wurde im Jahr 2000 in Ramingstein verwirklicht, dazu gehörte auch die Ausstellung "Papier: Von Gutenberg bis zum Digital-Zeitalter" und das Theaterstück: "Die Fabrik"

Originaltext:

Eine einmalige Ausstellung findet man heuer im Ramingsteiner Gemeindeteil Madling. In zahlreichen Exponaten, von denen die meisten Originale sind, werden auf der ca. 500 qm großen Ausstellung interessante Hintergründe der Lebensweise der damaligen Fabrikler ebenso dargestellt wie die von ihnen hergestellten Papierprodukte. Im Gutenbergjahr wird natürlich auch dem Erfinder des Buchdrucks ein Teil der Ausstellung gewidmet sein und der Besucher erfährt neben wissenswerten Fakten aus der Zeit Gutenbergs auch Informationen, über den modernen Buchdruck bis hin zum revolutionären digitalen Buch.

Ganz im Zeichen von Multimedia wird diese Ausstellung nebst Videovorführungen, Originaltonbandaufnahmen von Zeitzeugen, effektvollen Geräuschkulissen auch das Internet nutzen, um dieses spannende Thema attraktiv den Besucher näher zu bringen. Auch die Interaktivität zwischen den Besuchern und einigen Exponaten dieser Ausstellung liegt den Verantwortlichen sehr am Herzen. So werden die Besucher nicht nur das Internet benutzen, sondern auch selbst Papier schöpfen (produzieren) können.

Ort der Ausstellung ist der alte "Jagglerhof" der sich ca. 100 Meter von dem damaligen Papierfabriksgelände befindet, das jetzt die Firma iso-span beherbergt.

Hintergrundinformation:

Vor 100 Jahren erlebte der Lungau eine Gründerzeit. Die Fertigstellung der Murtalbahn 1894 löste eine bis dahin noch nicht dagewesene Wirtschafts- und Kulturoffensive aus. Nach dem Versiegen des Bergbaues und dem verheerenden Brand 1841 wurden mutige Strukturveränderungen eingeleitet.

Der Grundstoff Holz war Grundlage, 1900 in Ramingstein eine Papierfabrik zu errichten, deren Produkte hauptsächlich in den Export gingen. So wurde das Ramingsteiner "Hirschenpapier" (als Markenzeichen wurde ein Hirsch eingedruckt), bis China exportiert. Erst mit dem zweiten Weltkrieg kam die Produktion zum Erliegen. Die großteils noch vorhandenen Werksanlagen beherbergen heute die Baustofferzeugung ISO-SPAN.

Einige Schulbauten gehen auf diese Zeit zurück. Für Ramingstein musste gar der damals berühmte Architekt Geppert die Planung des Volksschulgebäudes übernehmen. Burg Finstergrün wurde nicht nur zu einem Herrschaftssitz ausgebaut, sondern diente bereits für internationale Gäste, insbesonders aus dem angelsächsischen Raum, als Erholungsstätte.

Viele solcher struktureller Neuorientierungen gingen auf die Initiative der Gräfin Margit Szapary, der Burgfrau in Ramingstein, zurück. So war es auch sie, die die Wichtigkeit moderner Kommunikation bereits erkannte und den Anschluss des Lungaues an das öffentliche Telefonnetz finanzierte.

Gerade diese Jahre der Prosperität haben auch gesellschaftspolitisch ihre Spuren in diese bäuerlich geprägte Region gezogen. Der Arbeiterstand hat nach dem endgültigen Stillstand des Bergbaues wieder Fuß gefasst.

Grund genug für die Initiatoren, mit dem Theater in die Fabrik zu gehen. Der mittlerweile mit den Stücken "Die Bettlerhochzeit" und "Der Alchimist" (beide Stücke wurden in den vergangenen Jahren unter großem Publikums- und Medieninteresse in Ramingstein aufgeführt) bekanntgewordene Tamsweger Autor Mark UBL hat das Stück "Die Fabrik" geschrieben. Damit soll die Besonderheit der damaligen Zeit angesprochen und der Bogen in die Jetztzeit gespannt werden. Unter der Regie des bekannten Regisseurs Gerard ES werden ausschließlich Laiendarsteller aus dem Lungau dabeisein. So sollen im Werksgelände der ehemaligen Papierfabrik und heutigen Baustofferzeugung ISO-SPAN diese Freiluftaufführungen stattfinden. Als Besonderheit wird angeführt, dass die Bühne damit einen Gleisanschluss besitzt und Waggons der Murtalbahn eine interessante dramaturgische Möglichkeit eröffnen.

Parallel dazu wird im nahen Jagglerhof eine Themenausstellung "Papier für China" eingerichtet, die die Besonderheit der Zeit um 1900 im Salzburger Lungau und dem angrenzenden steirischen Bezirk Murau zum Inhalt haben wird. Das zentrale Thema wird die Papiererzeugung und deren Auswirkung auf beide Regionen sein. Gerade die eigenen Ressourcen, das Holz, zu nutzen und das Produkt erst veredelt auf den Markt zu bringen, also die Wertschöpfung möglichst in der Region zu halten, steht im diametralen Gegensatz zur heutigen Entwicklung. Damit wird eine nachhaltige Regionalentwicklung in Frage gestellt.

Nachdem damals der Anschluss der Region an das Telefonnetz von Ramingstein ausgegangen ist, ist es heute das Medium Internet, das vorrangig bei uns nutzbar gemacht wird. Die Anbindung an die Lichtwellentechnologie sehen wir als Chance für die Zukunft.

Die örtliche Volksschule hat mit dem Internetprojekt "Sucht den Silberschatz" einen EU-weiten Sonderpreis erhalten. Auch wird in der Kommunalverwaltung diese neue Technologie bereits bestens angenommen und weiterentwickelt. Die Ausstellung in den Räumen dieses stattlichen mittelalterlichen Bauernhofes soll ein besonderer Anziehungspunkt werden.

Das Theater wird von Mitte bis Ende Juli aufgeführt, die Ausstellung gleichzeitig eröffnet, aber dann bis Anfang September dieses Jahres dauern.

So geht unsere Gemeinde einen ganz eigenen Weg. Nämlich den Ansatzpunkt in der Geschichte zu finden, in die heutige Zeit zu transformieren und daraus einen Weg in die Zukunft zu entwickeln.

Pressetext

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